Ich Punch Needle jetzt

Punch Needle

Vor kurzem haben Änn und ich uns auf den Weg nach Frankfurt gemacht, um dort die Paperworld/Creativeworld zu besuchen. Mal abgesehen davon, dass es großartig war, meine Änn wiederzusehen, war es ein anstrengendes, aber schönes Wochenende, dass uns mit viel Inspiration und neuen Eindrücken versorgt hat. Unter anderem können wir jetzt sagen: „Ich Punch Needle jetzt.“


Etwas, dass schon seit einiger Zeit total modern zu sein scheint, uns bisher jedoch eher weniger tangiert hat, ist das Punch Needlen. Am Sonntag haben wir an zu diesem Thema einem Workshop von Folia teilgenommen und uns in die Technik einführen lassen. Was soll ich sagen, kaum dass wir zu Hause waren, sind wir beide los gestartet und haben uns Material besorgt. Wir wurden angesteckt vom Punch Needle Fieber.

Punch Needle – Was ist das?

Punch Needle WorkshopWenn man mich vor dem Messebesuch gefragt hätte, was eine Punch Needle ist und was man damit macht, dann wäre meine Antwort vermutlich gewesen, dass man mit einer besonderen Nadel ein Bild sticken kann und ganz falsch ist das nicht einmal. Auf Deutsch wird die Punch Needle „Stanznadel“ genannt, pragmatisch wie die deutsche Sprache ist, erklärt das auch ziemlich gut, wie die Technik funktioniert.

Da ich mich vor Jahren sehr für das Nähen mit der Nähmaschine interessiert habe, ist mir gleich aufgefallen, dass die Punch Needle im Prinzip eine Art der Nadeln ist, die in Nähmaschinen eingesetzt werden. Sie hat genau wie eine Nähmaschinennadel ein Öhr, durch das der Faden herausgeführt wird und eine Rinne, in der das Nähgarn liegt. Genau wie die Nadel der Nähmaschine, sticht man mit der Punch Needle ausschließlich aus einer Richtung in den Stoff, zieht man sie wieder heraus, bleibt auf der anderen Seite eine Schlaufe, die je nach dem wie lang man seine Nadel eingestellt hat größer oder kleiner sein kann. Bei der Nähmaschine wird diese Schlaufe, salopp gesagt, von unten mit einem weiteren Garn fixiert, sodass die Naht nicht mehr aufgehen kann, das ist bei der Punch Needle natürlich nicht der Fall..

Vor und Nachteile der Punch Needle

Meiner Meinung nach, ist der größte Vorteil der Punch Needle, dass man den Stoff nur aus einer Richtung bearbeiten muss. Das ewige Hin und Her beim Sticken und Nähen mit der Hand hat mich schon immer genervt, weshalb ich diese Techniken zwar in den Grundzügen beherrsche, jedoch nie Lust hatte es weiter zu verfolgen. Der zweite Vorteil liegt darin, dass man keine lange Vorbereitungszeit benötigt. Man spannt seinen Stoff in den Rahmen, zeichnet das Motiv auf, fädelt den Faden in die Punch Needle (was dank einer Einfädelhilfe auch wirklich unkompliziert ist) und legt los.

Punch Needle ProjektAußerdem hat man mit nur einer Nadel wirklich tolle Gestaltungsmöglichkeiten, denn bearbeitet man den Stoff von vorne, entsteht eine eher glatte Naht, bearbeitet man den Stoff von hinten, bekommt man vorne wunderschöne Schlaufen, die je nach dem wie lang man seine Nadel eingestellt hat, größer oder kleiner sein können – super unkompliziert, aber mit einer großen Wirkung für das Gesamtbild.

Ein weiterer Vorteil, der mir die Punch Needle besonders schmackhaft gemacht hat, liegt darin, dass man sich weder vorher überlegen muss wie viel Garn/Wolle man benötigen muss, noch den Faden jedes Mal komplett durch den Stoff wursteln muss. Ich bin nämlich so ein Kandidat, bei dem sich das Garn grundsätzlich verknotet und dann fehlt mir schon nach kurzer Zeit die Geduld, alles wieder auseinander zu sortierten. Bei der Arbeit mit der Punch Needle muss man nur darauf achten, dass der Faden immer schön locker ist, sobald der Faden spannt, rutschen die Schlaufen wieder aus dem Stoff. Das ist mir jetzt schon mehrfach passiert und es hat immer einen Augenblick gedauert, bis ich bemerkt habe, dass meine Wolle nicht mehr locker genug lag.

Und damit komme ich zu dem Einzigen vor mich erkennbaren Nachteil der Punch Needle, der manchmal ebenfalls ein Vorteil sein kann. Die Schlaufen, die durch das Arbeiten mit der Punch Needle entstehen sind nicht fixiert, das bedeutet, dass sie sehr leicht wieder entfernt werden können. Das ist natürlich super, wenn man mal falsch abgebogen ist, oder ein Stich nicht so sitzt wie man es gerne hätte, bedeutet aber gleichzeitig, dass dies auch unbeabsichtigt geschehen kann. Man arbeitet mit der Punch Needle sehr eng am Stoff damit eben dies nicht geschieht, aber manchmal ist der Stoff vielleicht ein bisschen widerspenstig und man rutscht ab oder ist einen Moment unachtsam und einige der vorherigen Schlaufen lösen sich wieder aus dem Stoff. Das kann nervig sein, aber wenn man den Dreh erst einmal raus hat, passiert es immer seltener. Um zu verhindern, dass sich das fertige Werk später einmal wieder in Wohlgefallen auflöst, kann man die Rückseite ganz einfach mit einem Textilkleber bestreichen, das Ganze trocknen lassen und schon ist die Gefahr gebannt.

Fazit

Ich muss gestehen, dass ich der Technik zuerst skeptisch gegenüber stand und auch nach dem Workshop noch nicht genau wusste, ob das was für mich ist, aber mittlerweile bin ich total im Punch Needle Fieber. Es eröffnet einem so viele tolle Möglichkeiten, funktioniert ohne besondere Vorkenntnisse und geht vergleichsweise schnell. Änn und ich haben schon einige Projekte im Hinterkopf, die wir unbedingt umsetzen wollen und Ideen, wie wir die Punch Needle auch im Bezug auf Karten und Minialben einsetzen wollen.

Falls du gerne mehr zu diesem Thema wissen möchtest, oder noch Fragen hast, schreib sie gerne in die Kommentare oder schreib mir eine E-Mail an hello@voellig-verlott.at! Ich freu mich drauf.

Kategorie Kreatives

Ich bin 29 Jahre alt und ein Meermädchen, dass sich in den Süden Deutschlands verlaufen hat. Meine Leidenschaft ist das geschriebene Wort in jeglicher Hinsicht, weshalb es wohl kaum verwunderlich ist, dass ich ausgebildete Buchhändlerin bin. Wenn ich nicht arbeite, trifft man mich meist lesend, zeichnen oder mitten im Lernprozess für eine neue Technik an.

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