wenn aus Anonymität Gefühle wachsen

Wenn aus Anonymität Gefühle wachsen

Was ich schon immer unheimlich geliebt habe, sind Geschichten, die zwei Menschen unverhofft zueinander führen. Das hat bei mir, glaube ich, mit „Gut gegen Nordwind“ angefangen. In dem Roman geht es um einen Mann und eine Frau die durch einen Fehler in einer E-Mail Adresse Kontakt zu einander haben. Als ich in Frankfurt zur Berufsschule war, habe ich mit ein paar Freunden (die meine Mitschüler für mich nämlich geworden sind) ein Theaterstück zu diesem Buch gesehen und habe mich noch mehr darin verliebt.

Solche Geschichten sind heute keine Seltenheit mehr, wenn man nur mal an „SMS für dich“ und „Leise rieselt das Glück“ zum Beispiel denkt. Auch eine sehr gute Freundin von mir hat ein Buch geschrieben in der eine E-Mail sich praktisch verläuft. Ich liebe diese Bücher, weil sie eine romantisch Seite zeigen. Das Internet bietet uns nicht nur die Möglichkeit Online Dates zu vereinbaren, unsere Bankgeschäfte darüber abzuwickeln und ohne Ende Online Shopping zu betreiben. Es bietet jeden Tag die Möglichkeit, dass zwei Menschen sich kennenlernen, die sich sonst vielleicht niemals getroffen hätten. Das muss nicht immer romantischer Natur sein. Ich selbst habe einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben im Internet kennengelernt, weil sie irgendwann einmal über meinen Blog gestolpert ist und anfing mit mir zu schreiben. Seit mehr als fünf Jahren sind wir jetzt befreundet und ich bin mehr als froh darüber.

Das Internet bietet einem aber auch die Möglichkeit seine Sorgen und Probleme loszuwerden. Mir hat mal jemand gesagt, es wäre einfacher mit einem fremden Menschen über seine Probleme zu reden und ich denke, wer auch immer mir das sagte, hatte vollkommen recht.

“Cinder und Ella” von Kelly Oram

Bei Cinder und Ella ist die Situation ähnlich. Sie lernen sich über Ellas Blog kennen und fangen an zu schreiben. Sie bauen ein Vertrauensverhältnis auf, obwohl keiner von dem Anderen weiß, wer er oder sie eigentlich ist. Eine Freundschaft, die auf Anonymität basiert und Vertrauen basiert. Es ist egal wie man aussieht, es ist egal, was man bisher erlebt hat. Man hat einfach eine Person, der man alles erzählen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass man verurteilt wird. Und wenn einem alles zu viel wird? Dann zieht man eben den Stecker. Aber manchmal.. manchmal kommen dabei Gefühle ins Spiel. Ella, die das Gefühl hat, dass niemand auf der Welt sich wirklich für sie interessiert, findet ihren Rettungsanker in Cinder, ihrem Online Freund. Was sie jedoch nicht weiß, ist, dass es Cinder nicht anders geht. Er hat auf eine andere Art und Weise mit sich und der Welt zu kämpfen, aber auch er braucht Ella.

Dieses Buch konnte ich nicht aus der Hand legen und ich empfehle wirklich nicht, es zu lesen, wenn man gerade viel zu tun hat, denn alles andere wird dabei nebensächlich. Die Autorin beschreibt sowohl Ellas als auch Cinders Situation sehr eindringlich und obwohl das Buch als Jugendbuch deklariert ist, wirkt es nicht wie ein typisches Jugendbuch. Die Protagonisten sind schon sehr erwachsen in ihrem Verhalten. Sie benehmen sich nicht anders als 25-30 jährige es in ihrer Situation tun würden. Ich habe mich sowohl mit Ella als auch mit Cinder sehr verbunden gefühlt. Besonderheit dieser Geschichte ist, dass es komplett ohne künstliches Drama auskommt. Natürlich geht es nicht ganz ohne Konflikte, die die Protagonisten zu bewältigen haben, aber diese werden nicht übertrieben oder in die Länge gezogen.

Was Ella nicht weiß, der Leser aber bereits am Anfang des Buches erfährt, ist, dass ihr Online Freund ein sehr bekannter Schauspieler ist, zu dem sich praktisch alle Frauen und Mädchen hingezogen fühlen. Das sorgt natürlich für eine explosive Mischung. Mich hat es beim Lesen ein wenig an den Film „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ erinnert, den ich damals wahnsinnig geliebt habe.

Außerdem sind Mobbing, Freundschaft und Familie wichtigen Themen, die in diesem Buch besprochen werden. Themen über die nicht oft genug geschrieben werden kann. Niemand ist perfekt und niemand kann wirklich in einen anderen Menschen hineinschauen. Jeder geht mit bestimmten Dingen in seinem Leben anders um und das sollte niemals irgendwer einfach verurteilen.

Für mich persönlich war dieses Buch ein absolutes Highlight. Die perfekte Mischung aus Liebe, Freundschaft, Dramatik und Humor. Es zählt eindeutig zu den Büchern, die ich gerne noch einmal zum ersten Mal lesen würden.

Auch, wer kein Fan von Jugendbüchern ist, aber gerne Liebesromane liest, sollte sich diese Geschichte einmal genauer ansehen. „Cinder und Ella“ regt zum Träumen an. Genau so sollte ein richtig guter Liebesroman geschrieben sein.

Wer sich jetzt für das Buch interessiert, findet auf der Seite des One Verlags alle wichtigen Informationen.

Habt ihr auch ein Buch, dass ihr gerne noch einmal zum ersten Mal lesen würdet?

2 Kommentare

  1. Hallo Lotta,

    das klingt wirklich nach einem Buch, dass ich unbedingt lesen möchte!

    Ehrlich gesagt ist mir etwas ähnliches passiert, auch ich habe jemand ganz Besonderes im Internet kennengelernt und mich allein durch´s schreiben ziemlich verknallt (dachte vorher nicht, dass das geht!).
    Und was soll ich sagen, ich bin so unendlich froh, ihn kennengelernt zu haben. Auch, weil wir uns aufgrund der Entfernung niemals auf normalen Wege kennengelernt hätten <3

    Liebe Grüße, Anni

    Antworten

    1. Liebe Anni,
      das freut mich sehr. Mir geht es ganz genauso wie dir. Meinen Ex-Freund habe ich im Internet kennengelernt. Damals über knuddels.de. Ich war 14 oder so. Aber ich wusste, dass er ein ganz wichtiger Mensch für mich ist, weil er einfach für mich da ist, egal was passiert. Und ich hatte recht. Ich war nach Bremen zu ihm gezogen und nach 4 Jahren haben wir uns getrennt, aber ich weiß, dass ich immer noch auf ihn zählen kann, sollte mal irgendetwas sein und das finde ich großartig. Klar, vieles ist im Bezug auf das Internet und das in Kontakt treten dort mit anderen Menschen umstritten, aber es ganz ich ganz Wunderbares hervorbringen. Meine Ma hat ihren neuen Freund auch im Internet kennengelernt und es scheint als seien die Beiden Seelenverwandte.
      Ich jedenfalls habe dieses Buch geliebt. Es lässt einen daran glauben, dass es irgendwo einfach für jeden den Richtigen gibt und dass es eben nicht nur ums Aussehen geht, sondern darum wie gut man sich versteht und einander zuhören kann.
      Uff, lange Antwort.
      Lies das Buch und schreibt mir unbedingt, wie es dir gefallen hat!

      Liebe Grüße,
      Lotta

      Antworten

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