Eines Tages, als ich eigentlich für meine mündliche Prüfung recherchieren wollte, bin ich zu Thalia gegangen und habe das Buch „Für immer und Amy“ entdeckt. Das Cover hat mich sofort angesprochen, weil mich der Papierflieger an Daniel Glattauers Bücher erinnerte, die für mich immer einen Sympathiewert haben. Kurz den Klappentext gelesen und für süß befunden, aber wieder weg gelegt und weiter recherchiert.

Kurze Zeit später bekomme ich eine Email von Tim Sohr, dass er ein neues Buch veröffentlicht hat und ob ich es gerne lesen würde. Man könnte mir unterstellen ein bisschen esoterisch zu sein, aber das kann doch kein Zufall sein. Also habe ich natürlich sofort zugesagt und ihm davon erzählt, dass ich es gerade vor kurzem in der Hand gehabt habe.

Liebe aus der Sicht eines Mannes

Ich bin wirklich unbedarft an dieses Buch herangegangen und war auf den ersten Seiten wirklich begeistert, aber meine Begeisterung wurde immer weniger. Leider. Es ist nicht so, dass das Buch wirklich schlecht war, für mich wurden jedoch zu viele Stereotype eingebaut, von denen ich gehofft habe sie nicht zu finden, gerade weil das Buch von einem Mann geschrieben wurde und die Geschichte aus der Sicht eines Mannes erzählt wird. Natürlich wird seine unfassbare Liebe zu Amy beschrieben, aber er ist außerdem ein Kerl, der sich wahllos durch die Schlafzimmer der Frauen schläft. Es macht mich fast ein bisschen mürbe so etwas zu lesen.

Wir leben im Zeitalter des Pragmatismus, das Motto aus den Augen, aus dem Sinn wird wie nie zuvor gelebt. Man gibt sich je nach Verfügabarkeit hin, nimmt sich vielleicht nicht den Ersten (weil es verzweifelt wirkt), auch nicht den Besten (weil wir keine Lust haben, so lange zu warten), aber den Erstbesten. Herzen müssen nicht mehr repariert werden, weil kaum noch jemand zulässt, dass es ihm gebrochen wird.

Gute Ideen, aber mangelhafte Umsetzung

Es ist ein bisschen schade, denn die Ideen waren gut, aber die Geschichte hat sich für mich viel zu oft auf der Stelle bewegt. Es gibt immer wieder Rückblenden zu seiner Zeit als Schüler in Amerika, wo er Amy kennengelernt hat und die sind an sich auch wirklich interessant, bringen die Geschichte aber nicht wirklich voran. Was mich jedoch schwer begeistert hat, war, dass die Charaktere nicht oberflächlich bleiben, sondern jeder seine eigene Geschichte und sein eigenes Päckchen zu tragen hat.

Tim Sohr: Für immer und Amy = Bedingte Leseempfehlung

Das komplette Buch steht für mich unter dem Motto „manchmal kommt’s anders als man denkt“, was im Grunde nicht schlecht ist, hier jedoch recht vorhersehbar war. Der Protagonist entwickelt sich erst ganz zum Ende der Geschichte zu einer doch sympathischen Persönlichkeit, was vielleicht für die Charakterentwicklung sprechen könnte, mich aber nicht überzeugen konnte. Insgesamt ein Buch, dass man lesen kann, aber nicht muss. Ein bisschen zu chauvinistisch und ein wenig zu langsam, aber trotzdem ganz nett.

Habt ihr schon mal einen guten Liebesroman aus der Sicht eines Mannes gelesen?


Bibliografie & Inhalt

List | 288 Seiten | erschienen: 06/2017 | 978-3-843-71542-3
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Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Nana – der Bücherblog