Sebastian Fitzek Das Paket

Als Emma die Tür zum Schlafzimmer ihrer Eltern öffnete, ahnte sie nicht, dass dies zum letzten Mal tun würde.

Über das Buch
Droemer | 368 Seiten | erschienen: 10/2016 
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Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet.
Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen.
Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt …


 

Meine Meinung

Ich habe es geahnt.

Im Prolog des Buches wird beschrieben, wie Emma als kleines Mädchen Angst hat und Schutz bei ihren Eltern im Bett sucht. Zum ersten Mal beim Lesen eines Fitzek wusste ich bezüglich genau einem Aspekt schon zu Beginn des Buches, was es wirklich damit auf sich haben wird. Ich muss gestehen, dass ich ein wenig stolz auf mich war. Der Prolog konnte mich packen und hat mich schnell in das Buch hineingesogen. Eigentlich bin ich momentan nicht so die Thriller-Leserin, aber bei einem Fitzek kann man da mal eine Ausnahme machen.

Herje ist die anstrengend.

„Die“ ist in diesem Fall Emma, die Protagonistin der Geschichte. Am Anfang fand ich sie though und aufgeweckt, habe mich gefragt, welche Rolle sie im Buch einnehmen wird und dann ging es bergab. Nicht nur mit Emma, sondern mit dem gesamten Verlauf, aber ich gebe Emma eindeutig die Schuld dafür. Auf den 50 ersten Seiten passiert widerfährt Emma etwas Schreckliches und danach ist sie einfach nicht mehr die Selbe. Plötzlich hat sie akute psychische Probleme und wird zu einer sehr unzuverlässigen Erzählerin. So unzuverlässig, dass ich manchmal das Buch weglegen musste, weil sie mich so genervt, ja regelrecht wütend gemacht, hat. Alles an Emma hat mich plötzlich genervt. Ihre weinerliche Art, die ständigen Wechselbäder ihrer Gefühle und Gedanken, dass man nie weiß was nun wahr ist oder nicht. Sicherlich, das ist Fitzeks Stil und soll den Leser in die Irre führen, aber mich hat es diesmal leider nur irre gemacht.

Wem kannst du trauen?

Emma ist in ihrem Leben praktisch nur von Männern umgeben: ihrem Mann Phillip, seinem Partner bei der Polizei Jorge, dem Postboten Salim und ihrem besten Freund Konrad, den sie schon von klein auf kennt. Die einzigen beiden Frauen in ihrem Leben sind ihre Mutter und Sylvia, die jedoch beide nur eine sehr kurze Rolle spielen. Und dann ist da noch dieser A. Palanth. Wer ist dieser ominöse Nachbar, von dem Emma noch nie gehört hat? Wem kann man als Leser noch trauen? Den Polizisten? Dem Anwalt? Oder dem Briefträger? Vielleicht niemandem? Emma jedenfalls nicht, so viel wird einem sehr schnell klar.

Action statt Raffinesse

Die Geschichte wird zu zwei verschiedenen Zeiten erzählt. Einmal befinden wir uns in der Gegenwart in Konrads Kanzlei, der Emmas juristischer Beistand ist und andererseits befinden wir uns in der Zeit drei Wochen zuvor. Emma erzählt Konrad alles was sie weiß und was ihr in Erinnerung geblieben ist, das bedeutet Konrad und der Leser erfahren praktisch gleichzeitig, was Emma passiert ist, bevor sie in die Klinik gekommen ist. Ich fand es sehr schade, dass der Mittelteil stark nachlässt, was die Spannung und Atmosphäre angeht. Für mich war es zu actionreich und teilweise auch zu übertrieben. Alles passiert Schlag auf Schlag und trotzdem hatte ich das Gefühl auf der Stelle zu treten. Erst zum Ende hin kippte die Waage wieder in Richtung Raffinesse.

So viele Verstrickungen, dass ich fast gestolpert wäre.

In diesem Fitzek gab es wirklich viele Fallstricke, die den Leser und die Charaktere im Buch an der Nase herumführen. Der geübte Fitzek-Leser ist dies gewöhnt und freut sich darauf. Bei diesem Buch war die Auflösung der Fallstricke am Ende jedoch sehr komplex. Aber Fitzek ist eben ein wahrer Harry Houdini und hat sich nach und nach von den Stricken befreit. Mir hat das Endergebnis der Auflösung gefallen. Es war spannend und abstoßend und dadurch irgendwie faszinierend. Ich möchte nicht, dass so etwas im wahren Leben einmal vorkommt.

 

Fazit

Leseempfehlung

Ich denke, dass Fans von Sebastian Fitzek bei diesem Thriller voll und ganz auf ihre Kosten kommen und auch wer noch nie etwas von Fitzek gelesen hat, wird mit diesem Werk gut bedient sein, wenn man eine Mischung aus Action und psychologischen Spielchen mag. Mein neuer Lieblingsfitzek wird es nicht, aber trotz dem ich recht lange für das Buch gebraucht habe, bin ich froh, dass ich es gelesen habe. Fitzek glänzt mal wieder durch gut ausgearbeitete Charaktere (auch, wenn sie mich manchmal genervt haben), unvorhergesehene Wendungen und eine gelungene Auflösung des Falls. Daher gibt es eine Leseempfehlung für alle, die wissen worauf sie sich einlassen.

Nehmt ihr Pakete für eure Nachbarn an?

Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Bella’s Wonderworld