Alles was ich sehe

Mit Mom zu reden war genauso unmöglich, wie ein Spannbettlaken glatt zusammenzulegen: Egal wie gründlich mal es versuchte, man brachte nie mehr als einen unförmigen Ballen zu Stande.

Über das Buch
Königskinder Verlag | 432 Seiten | erschienen: 03/2016 | Originaltitel: The One Thing
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Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt.
Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann.


 

Meine Meinung

Ganz schön aufmüpfig die Kleine

Direkt am Anfang des Buches wurde ich überrascht, weil ich nicht mit einer so aggressiven Protagonistin gerechnet habe. Ich dachte, sie wäre irgendwie verängstigt und vielleicht auch depressiv. Maggie ist eindeutig verunsichert. Sie geht nur ganz anders damit um, als ich es erwartet hatte. Maggie ist verdammt wütend und ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl sie möchte irgendwem die Schuld dafür geben was ihr passiert ist. Ihre Wut trifft vor allem ihre Eltern, aber auch andere Menschen, die ihr eigentlich am Herzen liegen. Zeitweise gingen mir ihre Gedanken und ihr Verhalten ziemlich auf die Nerven.

Ein Schlag auf den Kopf kann manchmal Wunder bewirken

In Maggies Fall hat es bewirkt, dass Sie plötzlich einen kleinen Teil ihrer Umwelt wieder sehen konnte. Genauer gesagt konnte sie Ben sehen. Warum Sie ihn sehen konnte, wusste Maggie nicht, aber es war ihr auch egal. Sie konnte wieder etwas sehen und das hat ihrem Leben einen Sinn verliehen. Wenn Sie ehrlich mit sich wäre, müsste Sie sich eingestehen, dass sie sich nur mit Ben trifft um etwas sehen zu können. Dass Ben einen nicht gerade unansehnlichen Bruder hat, ist quasi ein netter Bonus. Ich hätte mich gefreut, wenn sie den Part zwischen Maggie und dem nicht unansehnlichen Bruder noch ein wenig vertieft hätten, dann hätten sich wahrscheinlich vielen Emotionen noch deutlicher herauskristallisieren können.

Der süßeste kleine Kerl der ganzen Welt

Die Rede ist von Ben. Ben ist einfach.. hach! Ich liebe ihn. Am liebsten wollte ich ihn die ganze Zeit knuddeln. Schon als Maggie ihm in der Praxis seines Onkels das erste Mal begegnet ist, war ich vollkommen von ihm verzückt und im Laufe des Buches ändert sich diese Vorliebe für Ben nicht. Ich wünschte mir es würde mehr Menschen und vor allem Kinder wie Ben geben, die so viel Gutes tun und sehen. Er tat mir auch Leid, aber er ist ein tapferer Kerl mit einem unglaublich guten Herzen. Ben war mein persönlicher Liebling in diesem Buch.

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Maggie macht im Verlauf der Geschichte eine große Entwicklung durch. Aus der motzenden Göre wird ein verständnisvollere Version, die sich darum schert wie es anderen geht und was andere denken. Am Anfang des Buches ist Maggie das eigentlich ziemlich egal. Man hat als Leser das Gefühl, sie ist die Einzige auf der Welt, der es schlecht geht, oder die etwas Schlimmes mitmachen musste. Ich kam mit dieser Einstellung nicht zurecht. Im Laufe des Buches stellt Maggie ihre Entscheidungen und Denkweisen in Frage und kommt dadurch darauf, dass vielleicht nicht immer die Anderen Schuld sind.

Das Geheimnis um das Sehen

Warum kann Maggie Ben plötzlich sehen? Die Frage stellt man sich als Leser natürlich die ganze Zeit. Ich habe es nicht herausgefunden, bis es dann im Verlauf aufgelöst wurde. Ich habe es nicht einmal erahnen können. Viele Möglichkeiten sind mir durch den Kopf gegangen, aber diese habe ich nicht bedacht. Ich fand die Lösung gelungen. Sie hat das ganze Buch noch einmal spannender gemacht und ich konnte die Geschehnisse aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Fazit

bedingte Leseempfehlung

Alles in allem eine gute Idee, die für mich nicht optimal umgesetzt wurde. Maggie war überhaupt nicht kompatibel mit mir. Ich konnte ihre Gefühle nicht nachvollziehen und die ständigen Wiederholungen ihrer Missgefühle gegenüber ihren Eltern und ihren ehemaligen Freunden haben es für mich nicht leichter gemacht. Es gibt auch viele positive Aspekte, wie Ben zum Beispiel und dass Maggie eine Entwicklung im Laufe der Geschichte durchmacht. So ganz konnte es mich jedoch nicht überzeugen, daher gibt es von mir eine bedingte Leseempfehlung.

Was denkt ihr wäre für euch schlimmer: taub oder blind sein?

Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Buchstabenträumerei