Als 2006 „Die Chemie des Todes“ erschien, war ich 15 Jahre alt und ging in die achte Klasse am Gymnasium. Meine beste Freundin hatte das Buch dabei und hat geschwärmt, wie spannend es ist. Da stand fest, dass ich es lesen muss. Ich war vollkommen in Ihren Bann gezogen. Für mich war klar, ich will etwas mit Leichen machen. Forensischer Anthropologe? Klingt super. Dieses Thema hat mich fasziniert. Deswegen bin ich auch auf Mark Benecke gestoßen und war auf einer Lesung von ihm. Mein Schulpraktikum in der zehnten Klasse hätte ich am liebsten in der Pathologie gemacht – aber ich durfte nicht.

Die nächsten Bücher haben wir uns immer abwechselnd gekauft, denn am Gymnasium hat man noch nicht so viel Geld und Bücher werden verliehen und herumgereicht. Damals war es mir noch nicht so wichtig alle Bücher einer Reihe in meinem Regal stehen zu haben (jetzt schon). Das bedeutet, dass ich 2008 „Kalte Asche“ gekauft habe und meine Beste dann 2009 „Leichenblässe“. Danach war das Gymnasium vorbei und wir haben uns beide 2011 „Verwesung“ gekauft.

Dann entstand eine Lücke, die wir natürlich versucht haben zu füllen mit möglichen anderen Thrillern und spannenden Protagonisten, aber niemand, lieber Dr. Hunter war so großartig wie Sie. Auch nicht Carl Mørck. Dann kam letztes Jahr endlich „Totenfang“ und ich war wirklich euphorisch. Endlich würde ich erfahren wie es mit Ihnen weitergeht – aber momentmal.. wie hat denn eigentlich alles angefangen? Schließlich war es auch schon wieder zehn Jahre her, dass ich angefangen habe sie zu begleiten. Ich wusste es nicht mehr, also habe ich mich dazu entschlossen erneut mit Ihnen auf Reisen zu gehen und Leichen zu untersuchen, diesmal aber mit den Ohren, nicht mit den Augen. Ich habe alle vier Vorgängerbücher auf Spotify gehört – ich habe ca. ein halbes/dreiviertel Jahr gebraucht. Jetzt konnte ich endlich gebührend das neue Abenteuer mit Ihnen beschreiten und was soll ich sagen…?

Lieber Dr. Hunter

Simon Beckett: Totenfang

Wenn man es genau nimmt und wirklich alle Bücher hintereinander weg liest, merkt man, dass alle Geschichten dem gleichen Schema folgen. Am Anfang eines jeden Buches arbeitet Dr. Hunter gerade nicht als forensischer Anthropologe, wird aber von der Polizei/einem alten Freund/dem Zufall gebeten mal einen Blick auf die Leiche zu werfen und er kann oder will eigentlich nicht. Soweit so gut. Wie in einem Bond Film gibt es immer eine Frau, nicht immer entwickelt er Gefühle für sie, aber darüber wird der Leser auch sehr lange im Unklaren gelassen. Durch Umwege, Ungereimheiten und Zufälle verstrickt Dr. Hunter sich jedes Mal tiefer in den Fall als er eigentlich sollte und meist ist die holde Maid natürlich bedroht – nur manchmal da wird er von einer holden Maid bedroht. Am Ende kommt alles anders als man denkt und jedes Mal wieder ist man erstaunt über die Auflösung und die Verstrickungen die sich im Laufe der Geschichte ergeben haben.

Funktioniert das?
Ja, anscheinend schon, denn auch den fünften Teil der Dr. Hunter Reihe konnte ich kaum aus den Händen legen. Es mag ein bisschen eine Mischung aus Nostalgie, Liebe zum Thema und Sympathie für den Protagonisten sein, aber für mich war auch dieser letzte Teil wieder jede Minute wert, die ich damit verbracht habe, es zu lesen. Das übliche Grundgerüst war vorhanden, wurde in ein interessantes Setting gebastelt, mit ein paar charismatischen Protagonisten versehen und in eine verworrene, spannende Hintergrundgeschichte gebastelt für die man diesmal ein wirklich guter Detektiv sein müsste, um sie vor der Auflösung herauszufinden.

Was mich besonders fasziniert, ist, dass die Geschichten meiner Meinung nach nie zu übertrieben sind. Klar manchmal habe ich beim Lesen schon gedacht: Himmel so viel Pech kann doch keinem Menschen widerfahren, aber wenn der arme Dr. Hunter nicht manchmal vom Pech verfolgt wäre, wäre es für uns Leser doch ziemlich langweilig oder? Und so, wie „Totenfang“ geendet hat, bin ich fest davon überzeugt, dass er sich auch weiterhin für unser Leserherz vom Pech verfolgen lässt und uns mit in das Reich der Fliegen und Maden nimmt.

Ich für meinen Teil werde ihn auf jeden Fall wieder begleiten, wenn er erneut eigentlich nicht als forensischer Anthropologe arbeitet, aber sein Gewissen einfach nicht anders kann als zu helfen.


Bibliografie & Inhalt

Wunderlich | 560 Seiten | erschienen: 06/2017 | 978-3-8052-5001-6 | The Restless Dead
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Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: studiere nicht dein Leben