Kennt ihr das Buch „Die Sehnsucht des Vorlesers“? Damals war ich so begeistert von der Idee, dass ich das Buch sofort lesen musste und wurde nicht enttäuscht. Vor kurzem erschien der zweite Roman von Jean-Paul Didierlaurent: Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky. Viel verraten hat der Klappentext diesmal nicht, aber ich habe mich gerne überraschen lassen.

Ehrlich gesagt, war ich ein wenig verwirrt, denn die ersten 111 Seiten geht es kaum um den Herrn Dinsky, es geht um Manelle und um Ambroise und was sie in ihrem (beruflichen) Alltag alles zu tun haben. Versteht mich nicht falsch, es war sehr nett zu lesen und auch irgendwie interessant, weil ich noch nie genauer über Ambroises Beruf nachgedacht habe, aber es war unerwartet.

Als es dann endlich um den Herren und seine Bitte geht, geht alles ziemlich schnell, insgesamt waren es vielleicht 60 der ca. 250 Seiten. Es war deswegen zwar nicht weniger schön und manchmal ist weniger eben mehr, aber ich fand das Verhältnis nicht ganz passend. Außerdem geht es mir mit der Liebe, die unvermeidbar in diesem Buch eingebaut ist, meiner Meinung nach ein bisschen zu schnell. Erst kennen sie sich nicht, dann können sie sich nicht leiden und aufeinmal ist es als wäre es nie anders gewesen? Ich weiß nicht. Allgemein hätten dem Buch wohl ein paar mehr Seiten gut getan.

Das alles ist noch zu verkraften, denn wir kennen es aus anderen Büchern nicht anders, die Protagonisten sind oftmals dermaßen schnell Hals über Kopf verliebt und das ist im Allgemeinen auch in Ordnung, aber ein Satz ist mir wirklich sauer aufgestoßen.

Als die gleiche Frau nun aus dem Fahrzeug sprang und entschlossen auf ihn zu kam, sagte er sich, dass sie noch schöner war als in seiner Erinnerung. Knapp ein Meter siebzig auf fünfundfünfzig Kilo, schätze er mit geübtem Blick.

Ich will damit nicht sagen, dass man nicht schön sein kann, wenn man 1,70m groß ist und 55kg wiegt, aber es wird mal wieder ein vollkommen verschobenes Schönheitsideal vermittelt. Es steht zwar nicht geschrieben, dass deine Frau, die mehr Kilos auf den Rippen hat nicht schön ist oder schön sein kann und doch fuchsen mich diese genauen Angaben. Vielleicht geht es euch da ähnlich? Vielleicht bin ich auch einfach nur sehr empfindlich was das angeht.

Alles in allem ist „Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky“ kein schlechtes Buch, es liest sich schnell weg und ist eine recht kurzweilige Geschichte, aber für die Thematik fehlt mir die nötige Tiefe und Fülle an Emotionen.


Bibliografie & Inhalt

dtv | 256 Seiten | erschienen: 09/2017 | 978-3-423-26162-3 | Le reste de leur vie
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