Hallöchen liebe Leser. Auf der Buchmesse hatte ich die tolle Gelegenheit, ein Interview mit Zoe Hagen zu haben, die Autorin von „Tage mit Leuchtkäfern“. Ich habe zuvor auch ihr Buch zugeschickt bekommen. Da es zu dem Zeitpunkt noch nicht als Buch erschienen war, hat mir der Verlag die PDF Datei dazu gesendet und ich habe es auf meinem Tablet gelesen. Eine ziemlich anstrengende Sache, aber es hat sich gelohnt. Vor dem Interview war ich ziemlich nervöse, aber zumindest gut vorbereitet. Sobald ich dann aber saß und anfing mich mit Zoe zu unterhalten, war die Aufregung verflogen. Zoe Hagen war mir sehr sympathisch und die Zeit mit ihr ist nur so verflogen. Jetzt möchte ich euch natürlich daran teilhaben lassen. Also viel Spaß dabei.

 
Interview mit Zoe Hagen
 

Ich

Hallo. Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich das Buch natürlich gelesen habe und es wirklich mochte. Ich hatte das Buch als PDF-Datei bekommen gehabt und wusste nicht wie dick es ist und dann war es plötzlich vorbei und ich war so: „Was? Schon vorbei?“ Für mich hätte es sehr gerne noch viel mehr Seiten haben können.

Zoe
lacht

 

Ich
Wie bist du darauf gekommen dieses Buch zu schreiben?

Zoe

Ich war zu dem Zeitpunkt 17 und mir ging es selbst überhaupt nicht gut und ich habe mich hingesetzt und angefangen zu schreiben, ich habe schon immer geschrieben, egal was, aber ich habe immer geschrieben. Zuerst habe ich versucht Tagebuch zu führen, allerdings für mich privat und dann irgendwann später habe ich zufällig das Tagebuch gesehen und dachte bei mir, dass es irgendwie ganz lustig wäre dort weiterzuschreiben. Dann habe ich die ersten Seiten geschrieben und dann wurde es ein ganz komischer Mischmasch aus meinem Tagebuch und der Geschichte. Das war dann so alles, ich habe meine Gefühle in die Situation reingebracht, habe natürlich aber auch sehr sehr viel erfunden.

 

Ich

Wie bist du auf die Idee gekommen die Protagonistin an Gott schreiben zu lassen? Ich muss gestehen, dass es für mich im ersten Moment befremdlich war, als ich gesehen habe, dass sie an Gott schreibt. Ich selber habe nichts mit Religion am Hut und musste mich erst damit anfreunden.

Zoe

Das verstehe ich. Aber eigentlich ist es ganz einfach, weil ich „Liebes Tagebuch“ in der Hinsicht zu simpel fand. Wenn sie „Liebes Tagebuch“ schreibt, dann macht sie das Ganze mit sich selbst aus und wenn sie an Gott schreibt, hat sie einen Adressaten, der auch allwissend ist, zumindest im klassischen Sinne und dem sie das alles anvertrauen kann, obwohl er das eigentlich alles schon weiß. Sie hat dadurch eine ganze andere Reflektionsmöglichkeit, als wenn sie an sich selbst schreibt, weil sie dann nur in ihrer Gedankenwelt bleiben würde.

Ich

Das stimmt natürlich, es besteht irgendwie eine gewisse Kommunikation, auch wenn Gott ihr nicht antworten kann. Welche Rolle spielt Religion denn in deinem Leben?

Zoe

Religion an sich spielt keine große Rolle, also ich bin zwar christlich aufgewachsen, aber eher so Ubootchristen mäßig. Zu Weihnachten, anderen Feiertagen oder auch Hochzeiten waren wir in der Kirche, aber ich bin nicht konformiert. Der Glaube jedoch spielt schon eine große Rolle. Ich würde sagen, ich bin ein gläubiger Mensch, aber kein religiöser Mensch.

 

Ich

Eine Frage, bei der mich die Antwort brennend interessiert ist: Welcher ist dein Lieblingscharakter?

Zoe

Das ist wirklich schwierig. Ich würde sagen Fred.

 

Ich

Meiner auch! Ist es Absicht, dass Fred Ähnlichkeiten mit Fred Weasley aus Harry Potter hat?

Zoe

– lacht – Nein, gar nicht! Wirklich nicht. Das hat mich schon mal jemand gefragt. Diese Geschichte ist überhaupt nicht durchdacht. Ich habe mich hingesetzt, drauflos geschrieben, ganz nach dem Motto „Wie das Leben halt so spielt.“, da weiß man auch nicht was passiert, deswegen ist es bei meinem Roman auch so. Ich hatte keine Ahnung was passiert, hatte keinen Plan, keinen Handlungsstrang. Ich habe einfach geschrieben, was mir gerade eingefallen ist. Und irgendwie kam der Name Fred und ich hab in meiner Schule jemanden gehabt, bei dem ich an den Namen denken musste. Er war groß und schlacksig, aber mit Harry Potter hatte das ehrlich nichts zu tun.

 

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Ich

Ich fand das schön, dass sie einfach so in die Begebenheit reingepurzelt ist, dass es keine komplizierte Sache war, mit langem Kennenlernen, sondern, dass es einfach so passiert ist. Kam das einfach so frei aus der Hand raus oder war es geplant?

Zoe

Nein, geplant, war das nicht – es war ja irgendwie alles nicht geplant. Ich hab geschrieben und festgestellt, dass es ein bisschen langweilig wird, dass sie jemanden kennenlernen muss, dann ist mir das Zitat eingefallen, dass ich zufällig vorher mal irgendwo gelesen hatte. Dann dachte ich, dass Fred ein schöner Name ist und ich musste an diesen Jungen denken und eigentlich ist nichts in diesem Buch überhaupt geplant. Das hat auch dazu geführt, dass es zum Teil sehr sehr unlogische Sachen gab, die ich dann später verändern musste, weil es sonst keinen Sinn ergeben hätte.

 

Ich

Wie kam es denn, dass dein Buch zum Verlag gekommen ist? Hast du dir gedacht, dass dus einfach mal versuchst oder hat jemand anders dir gesagt, dass das Buch sehr toll ist und du es zum Verlag bringen solltest?

Zoe

Ich hab erst gedacht, dass ich es einfach mal versuche und habe es dann per Post rausgeschickt, ganz frei ohne jemanden zu kennen, da war ich auch noch 17. Ich habe es nur einem Verlag geschickt und habe ungefähr einen Monat später eine Absage bekommen. Ich habs dann erstmal in der Schublade liegen gelassen und dachte dann mit zwanzig, dass ich es gerne noch einmal probieren möchte, aber diesmal professioneller. Ich habe mir einen Agenten gesucht und dann ging es seinen Gang.

 

Ich

Ich bin froh, dass es dazu gekommen ist. Nicht nur der Inhalt ist wirklich gut, sondern auch das Cover sieht einfach zauberhaft aus. Wie war das bei dem Cover? Wie viel Einfluss hattest du dabei?

Zoe

Ich hatte schon recht viel Einfluss. Es gab so ein paar Grundelemente, die nicht gingen, wo ich auch wusste, dass sie nicht gehen würden, aber sobald wir uns auf gewisse Dinge geeinigt hatten, habe ich jeden Covervorschlag bekommen und konnte sagen welche Farben ich mag, wie das Mädchen sein soll und solche Sachen.

 

Ich

Im Autorenportrait steht, dass du dir auch manchmal Leuchtkäfer in deinem Leben gewünscht hättest. Inwieweit gibt es denn da Parallelen zu der Protagonistin, wenn ich fragen darf?

Zoe

Als ich 17 war, also mit 17 war nicht so der Höhepunkt, aber auch ein etwas höherer Punkt, hatte ich auch eine Esststörung. Das war auch so der Impuls zu schreiben. Ich habe auch Therapien gemacht, die ich auch nicht so ernst genommen habe und da für mich schreiben irgendwie sehr befreiend war. Deswegen konnte ich es wahrscheinlich auch so schnell schreiben. In Momenten wo es mir schlechter ging, konnte ich mehr schreiben, weil es mir geholfen hat.

 

Ich

Im Buch gibt es eine Liste mit Dingen, die die Protagonistin gerne einmal machen würde, oder die sie noch erleben möchte. Welche Dinge sind das bei dir? Was würdest du gerne noch unbedingt machen?

Zoe

Oh, es gibt so vieles. Ich würde denken, dass ich fast alle Sachen der Liste auch machen möchte – es gibt ziemlich wenig, was ich nicht noch gerne machen möchte. Es ist total bescheuert, aber sei es sowas Großes wie „Ich will einen Berg besteigen“ oder so etwas Kleines wie „Ich will an einem schönen Sommertag auf der Terrasse sitzen und Kaffee trinken“. Das ist auch schön. Das will ich auch alles machen. Ich würde tatsächlich gerne einmal nachts schwimmen gehen, weil ich das noch nie gemacht habe und man sieht das immer in Filmen und das sieht immer so lustig aus. Und ansonsten .. mal gucken was auf mich zu kommt.

 

Ich

Klingt spannend! Hast du denn auch geplant noch mehr Bücher zu schreiben?

Zoe

Auf jeden Fall!

Ich

Kannst du schon etwas über dein neues Projekt verraten oder ist das noch top secret?

Zoe

Natürlich, das ist auf jeden Fall sehr sehr top secret. – Zoe lacht – Aber dann ist es auch eigentlich wieder so, dass ich eigentlich keinen richtigen Plan beim Schreiben habe und deswegen gar nicht weiß, wie sich die Geschichte entwickelt oder was ich dazu sagen könnte.

 

Ich

Liest du selbst viel oder schreibst du nur?

Zoe

Ich lese viel, aber jetzt lange nicht mehr so viel wie ich früher gelesen habe.

Ich

Gibt es ein Buch, dass du lieber nicht gelesen hättest, bei dem du es vielleicht sogar bereust es gelesen zu haben?

Zoe

Bereue .. wahrscheinlich so diese ganze Schullektüre – die fand ich zum Großteil sehr sehr langweilig.

Ich

Echt? Ja, gut, „Der Schimmelreiter“ fand ich auch ganz schrecklich.

Zoe

Was ich sehr bereue ist „Emilia Galotti“ – ich hoffe jetzt sehr, dass du das nicht magst. Vielleicht nicht bereuen, bereuen ist so ein hartes Wort. Aber wenn ich die Wahl hätte es zu lesen oder meinem damaligen Ich zu sagen „Schau lieber drei Folgen Spongebob“ – obwohl ich nicht mal Spongobob mag – dann würde ich sagen mach das. Dieses Buch mag ich echt nicht.

Ich

Und gibt es eines, dass du am liebsten jedem in die Hand drücken würdest?

Zoe

Tatsächlich das Gustav Flaubert Buch „November“, das kann ich wirklich jedem nur empfehlen. Ein super super schönes Buch. Und weil ich den Autor vorhin gerade hier gesehen habe „Der Grüffelo“, das Kinderbuch. Das ist einfach schön.

 

Ich

Hast du denn beim Schreiben ein Vorbild bei dem du sagst, so würde ich auch gerne schreiben? Oder schreibst du einfach drauf los? Du hast ja einen sehr speziellen und poetischen Stil zu schreiben.

Zoe

Ich glaube, es ist einfach drauflos, aber ich könnte mir vorstellen, dass es bestimmt von unterschiedlichen Stilen beeinflusst wurden ist. Was ich gemerkt habe, ist, dass ich früher sehr viel häufiger Stile übernommen habe und dass ich auch an Sachen, die ich geschrieben rückblickend erkennen kann, welches Buch ich gerade gelesen habe, weil es dann so sehr wie der Autor klingt. Ich war eine Zeit lang ein sehr sehr großer Oscar Wilde Fan und habe oft versucht in meinen Kurzgeschichten dann zu klingen wie Oscar Wilde. Aber jetzt ist es einfach so, dass ich versuche viel zu lesen und beim Schreiben selbst aber nicht drüber nachdenke.

 

Ich

Eine letzte Frage habe ich noch. Gibt es ein Wort, dass du ganz Wort benutzt? Wo man selber beim Schreiben schon denk: „Nicht schon wieder!“

Zoe

Und. Und und und. Ich sage immer „und“. Also wirklich. Tatsächlich fange ich Sätze am liebsten mit „und“ an. Ich finde „und“ ist ein super tolles Wort. Ich benutzes auch beim Reden total oft. „Und dann machte sie das und dann machste sie jenes.“ Ich glaube es ist mein Lieblingswort.

 

Ich

Vielen Dank für dieses schöne Interview.

Zoe

Es war mir eine Freude.

 

Zoe ist 2014 übrigens deutsche Vize-Meisterin der U20 Poetry-Slammer geworden.
Einen ihrer Auftritte darf ich euch hier mit ihrer Zustimmung zeigen. 🙂

 

Es hat mir wirklich unheimlich viel Spaß gemacht Zoe zu interviewen. Ich weiß, dass das Interview recht lang ist, wenn man es lesen muss, aber ich wollte keine einzige Frage rauszulassen, weil sich darin so gut ihre Art wiederspiegelt. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf ihr nächstes Buch und warte bis dahin gespannt. 😉

Habt ihr „Tage mit Leuchtkäfern“ schon gelesen?
Wie hat es euch gefallen? Falls nicht: Tut es.