Vor kurzem hatte ich einen Zettel im Briefkasten, dass ein Paket auf mich wartet. Wie so oft, habe ich nicht gewusst, was mich erwarten würde. Also bin ich zur Postfiliale, habe das Paket abgeholt und es voller Ungeduld noch im Auto geöffnet. Hätte ich gewusst, was sich in diesem Paket befindet, hätte ich es nicht im Auto geöffnet.

“Deine letzte Nachricht. Für immer.“ hat mich, schon als ich es aus dem Paket genommen habe, fast zu Tränen gerührt, denn worum es in diesem Buch geht, lässt sich eindeutig aus dem Titel entnehmen. Dieses Thema und das Wissen, was ich da in den Händen halte, nämlich bewegende, traurige Lebensgeschichten anderer Menschen, das hat mich schier überwältigt. Zum Glück kam das Buch nicht alleine, denn mit im Paket war außerdem eine im Stil des Buches gestaltete Taschentuch-Box.

Emily Trunko: Deine letzte Nachricht. Für immer.

Vor kurzem habe ich mit einer befreundeten Bloggerin über das erste Buch von Emily Trunko geschrieben, worauf Sie mir schrieb, dass es ihr auch gereicht hätte es von jemandem zu leihen. Das kann ich bei dem Buch durchaus nachvollziehen, auch wenn auch dort sehr viele Schicksale und traurige Geschichten – echte Lebenswege drin stecken. Aber bei ihrem neuen Buch „Deine letzte Nachricht. Für immer.“ könnte ich es nicht verstehen, weil es gefüllt ist mit so viel Leid, so viel Liebe und Verletzlichkeit. Es ist kein Buch, dass ich verleihen würde, weil es ein Buch ist, dass man haben sollte, Geschichten von Menschen, denen man ein Zuhause bieten sollte.

Emily Trunko: Deine letzte Nachricht. Für immer.

“Deine letzte Nachricht. Für immer.“ ist wie auch schon „Ich wollte nur, dass du noch weißt“ wunderschön illustriert. Jede letzte Nachricht hat seine eigene Seite und sein eigenes Design bekommen. Viele Nachrichten stammen von Verstorbenen, aber es geht auch um verflossene Beziehungen und endende Freundschaften – alles Situationen, die wahrscheinlich die meisten von uns schon einmal erlebt haben. Und eben weil das so ist können wir uns in die Menschen hineinversetzen, die diese Nachrichten bekommen haben. Ich sag es mal so: ich habe die Taschentücher wirklich dringend gebraucht.

Dein letztes Bild. Für immer.

Es ist das erste Mal, dass ich es auf meinem Blog oder überhaupt im Internet thematisiere, weil ich eigentlich finde, dass es hier nichts zu suchen hat und niemanden etwas angeht. In diesem Zusammenhang kommt es mir jedoch richtig vor darüber zu schreiben. Vor sechs Jahren ist mein Papa gestorben und schon seitdem ich das Buch ausgepackt habe, habe ich darüber nachgedacht, was seine letzten Worte zu mir waren, was seine letzte Nachricht war. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß noch genau, dass an dem Abend als ich das letzte Mal mit ihm gesprochen habe die Grey’s Anatomy Folge lief, die so gedreht war, als würde ein Fernsehteam die Ärzte begleiten. Ich weiß noch, dass der Klingelton von Mamas Handy „Trouble is a Friend“ von Lenka war. Ich weiß noch, dass das letzte Lied, das mein Papa auf seinem MP3-Player gehört hat „One“ von U2 war. Aber ich weiß nicht mehr, was er mir zuletzt gesagt oder geschrieben hat. Jedoch habe ich zwei Bilder, zwei Selfies von ihm, die er im Krankenhaus mit seinem Handy aufgenommen hat, noch immer. Ich habe sie von seinem Handy auf jedes weitere meiner Handys gespielt. Seine letzten Fotos. Ich werde sie für immer behalten. Er fehlt mir mehr als ich in Worte fassen kann.

Mein Papa ist schuld an meiner großen Liebe zu den Toten Hosen. Als ich in der vierten Klasse war, saßen wir gemeinsam im Auto und es lief „Alles nur aus Liebe“. Damit war mein Schicksal besiegelt. Mein erstes Konzert von den Hosen habe ich mit ihm besucht. Berlin O2 Arena. Es war großartig. Und bei jedem Konzert auf dem ich danach war, habe ich an Ihn gedacht und gehofft, dass er merkt, wie sehr mir unsere gemeinsame Liebe zur Musik Tag für Tag durch das Leben hilft.

Man sagt, und ich weiß jetzt dass es stimmt,
Dass es viele Freunde doch nur einen Vater gibt
Und heute wo du weit weg bist
Kann ich dich langsam so viel besser sehen

So wie jetzt habe ich dich früher nie vermisst
Schritt für Schritt komm‘ ich zu dir zurück

Das ist alles so lange vorbei
Doch die Bilder dieser Zeit, sie sind alle noch hier
Ein ganzes Jahr, ist eine halbe Ewigkeit
Und es ist Ewigkeiten her, da draußen vor der Tür

Das ist alles so lange her, so unendlich weit weg
Und ich habe kapiert
Dass ich dich nie, niemals verliere
Doch obwohl du mir bleibst, fehlst du mir sehr

– aus „Draußem vor der Tür“ von den Toten Hosen


Bibliografie & Inhalt

Loewe Verlag | 224 Seiten | erschienen: 09/2017 | 978-3-7855-8607-5 | The Last Message Received
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