Maybe Someday

Ich schiebe meine Balkontür auf und trete nach draußen, froh, dass die Sonne bereits hinter dem Nachbarhaus verschwunden ist und die Luft sich auf eine beinahe perfekte Herbsttemperatur abgekühlt hat. Fast wie auf ein Stichwort schwebt der Klang seiner Gitarre quer über den Innenhof, während ich mich in meinen Liegestuhl setze und genüsslich zurücklehne. Tori gegenüber behaupte ich, ich würde mich hier hinsetzen, um meine Hausaufgaben zu erledigen, weil ich nicht zugeben will, dass die Gitarre der eigentliche Grund dafür ist, warum ich jeden Abend pünktlich um acht hier bin.

Über das Buch
dtv | 432 Seiten | erschienen: 03/2016 | Originaltitel: Maybe Someday  
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Das Letzte, was Sydney will, als sie bei dem attraktiven Gitarristen Ridge einzieht, ist, sich in ihn zu verlieben. Zu frisch ist die Wunde, die ihr Ex hinterlassen hat. Und auch Ridge hat gute Gründe, seine neue Mitbewohnerin nicht zu nah an sich ranzulassen, denn er hat seit Jahren eine feste Freundin: Maggie – hübsch, sympathisch, klug, witzig. Und dann passiert es doch. Als Sydney beginnt, Ridge beim Songschreiben zu helfen, kommen sie sich näher als erwartet. Auch wenn beide die Stopptaste drücken, bevor wirklich etwas passiert, können sie nichts gegen die immer intensivere Anziehung ausrichten, die sie zu unterdrücken versuchen – vergeblich.


 

Meine Meinung
Einstieg

Wie man es von Colleen Hoover gewohnt ist, beginnt das Buch mit einer Szene, die erst zu einem späteren Zeitpunkt im Buch geschieht. Ich war sofort drin. Die Geschichte beginnt damit, dass Sydney ihrer besten Freundin eins überzieht und dazu hat sie auch allen Grund. Als ich angefangen habe die Geschichte zu lesen, war es als würde ich Sydney schon mein ganzes Leben lang kennen.

Schreibstil

Es ist wirklich unglaublich aber wahr, Colleen Hoover ist eine der wenigen Autor_innen, bei der ich nie Probleme habe in eine Geschichte reinzukommen. Ihre Art Bücher zu beginnen hat etwas anziehendes, sodass man das Buch erst nach den ersten mindestens 50 Seiten wieder aus der Hand legen kann. Sie hat für diese Geschichte zwei Ich-Erzähler gewählt, was ich wirklich sehr gut fand. Es ist ihr gelungen, jedem der Beiden eine eigene Art der Sprache zu verleihen, so dass man, selbst wenn es nicht drüber stehen würde rasch auseinander halten kann, wer von beiden gerade an der Reihe ist.

Charaktere

Ich fand es sehr erfrischend, dass es in diesem Buch nur acht Charaktere gab. Vier von ihnen waren sehr wichtig für die Handlung: Warren, Maggie und die beiden Protagonisten Sydney und Ridge. Ich glaube, ich mochte Ridge fast ein bisschen lieber als Sydney, aber auch nur, weil ich ihm vieles gut nachempfinden konnte, aus meinen eigenen Erfahrungen. Alle vier waren sehr gut beschrieben und ich hatte bei Warren zum Beispiel sehr klar eine Person aus meinem Leben vor Augen. Die andere vier Charaktere haben kleine Rollen. Es sind Tori, Hunter, Bridgette und Ridges Bruder. Sie waren für mich ausreichend skizziert um mir ein grobes Bild von ihnen zu machen.

Verlauf

Wahnsinn. Ich bin ein absoluter Gegner von Geschichten, die sich immer nur im Kreis drehen, frei nach dem Motto: „Ich will ihn – ich darf ihn aber nicht haben – aber ich will ihn doch so gerne.“ Sind wir mal ganz ehrlich, „Maybe Someday“ ist eine solche Geschichte und trotzdem bin ich vollkommen überzeugt von diesem Buch. Denn ja, die Geschichte geht in diese Richtung, aber nicht oberflächlich oder sexuell. Der Leser wird auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen und dabei geht es diesmal nicht in Richtung Trauer, wie so oft. Es geht um das starke Gefühl sich gegenseitig anzuziehen, durch etwas verbunden zu sein und genau zu wissen, dass es falsch ist, das zu fühlen und dagegen anzukämpfen. Ich war selten in einem Buch so hin und her gerissen wie bei diesem. Die Charaktere machen im Laufe des Buches eine Entwicklung durch und immer wieder standen mir die Tränen in den Augen, weil ich so gerührt war. Das ist mir, soweit ich weiß, beim Lesen noch nie passiert.

Ende

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich es ein bisschen schade finde, wie das Buch endet, weil ich denke, dass es durchaus auch ohne diese Szene ausgekommen wäre, schließlich weiß der geübte Leser allein der Logik her, was an dieser Stelle folgen muss. Gut fand ich es wiederum, dass es nicht der komplette Abschluss war und man nochmal etwas von Ridge gelesen hat, dass voller Gefühl war, bevor das Buch endet.

Soundtrack

Übrigens gibt es zu diesem Buch auch einen Soundtrack, den ihr euch hier anhören könnt und ich habe mich sofort in die Lieder verliebt. Es ist einfach eine großartige Idee, den Liedern aus dem Buch tatsächlich Leben einzuhauchen. Sehr sehr gut, unbedingt reinhören!

Fazit
Leseempfehlung | Lottas Lieblinge

Ich habe das Gefühl noch viel zu wenig zu diesem Buch gesagt zu haben und der Geschichte, mit ihrer Komplexität und Gefühlstiefe, gar nicht gerecht zu werden. „Maybe Someday“ hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern bei weitem übertroffen. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Colleen Hoover es Buch für Buch schafft mich vollkommen zu begeistern. Sie schafft authentische Charaktere, die Ecken und Kanten haben und gerade deswegen beim Lesen so nah sind, denn auch jeder von uns hat Ecken und Kanten. Um diese Charaktere baut sie eine gefühlvolle, nachvollziehbare Geschichte, die Gänsehaut bereitet und es schier unmöglich macht das Buch aus der Hand zu legen. Dringende Leseempfehlung. Ein absolutes Lieblingsbuch.

Sympathisiert ihr eher mit den weiblichen oder mit den männlichen Charakteren? Wohin geht die Tendenz?

Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Bettys Bücherwelt