Auf Null

Wenn ich einem Touristen in Varrendorf etwas empfehlen müsste, wäre es das Kürbisbrot von Bäcker Meyer und dann so schnell wie möglich ein Zugticket nach Bremen.

Über das Buch
Wunderlich | 400 Seiten | erschienen: 08/2016  
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„Vielleicht ja, vielleicht nein. Lasst euch überraschen.“
Gesund – aber nicht geheilt. Das ist Ninas Diagnose nach überstandener Leukämie.
Für die Zwanzigjährige klingt das wie: Freu dich bloß nicht zu früh. Ohnehin hat die Krankheit alles verändert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie zerstritten, ihr Bruder ist streng gläubig geworden, und Nina würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Dann lernt Nina Erik kennen und ist schneller in ihn verliebt, als ihre Angst vor einem Rückfall es erlaubt. Aber wie soll Liebe funktionieren, wenn einem der Mut zum Leben fehlt?


 

Meine Meinung

Schon wieder so ein Buch über Krebs?

Genau das könnte man denken. Und ich habe diese Äußerung auch schon mehr als nur einmal gehört, aber weit gefehlt. Dieses Buch ist mehr als nur eine weitere Geschichte über ein – wie auch immer – erkranktes Mädchen. Denn Nina, die Protagonistin, ist gesund, aber nicht geheilt. Sie hatte Leukämie und wurde jetzt wieder in das Leben entlassen, das Leben nach der Krankheit. Wie geht man mit so etwas um? Was macht man aus seinem Leben? YOLO und Carpe Diem? Oder lieber Vorsicht walten lassen, damit bloß nichts passiert? Und ganz wichtig ist, bloß nicht zu viele Spuren zu hinterlassen, damit die Verwandten und Freunde nicht so traurig sind, falls man doch stirbt.

Die erste Begegnung mit Nina..

Schon gleich zu Anfang des Buches konnte Nina mich für sich gewinnen. Die Geschichte beginnt am Tag ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus. Sie ist offiziell krebsfrei und darf wieder nach Hause zu ihrer Familie. „Ab jetzt möglichst ein Leben ohne van Gogh.“ lautet der erste Satz des Buches und ich wusste genau , was sie damit meint. Nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Altenheimen begegnet einem das Phänomen dieser Kunstdrucke. Nina hatte der Zeit ihrer Krankenhausaufenthalte immer wieder Bilder von van Gogh in ihrem Zimmer. Irgendwann will man es einfach nicht mehr sehen, da heitern einen auch keine Sonnenblumen mehr auf.

Vergangenheit und Gegenwart werden miteinander verflochten.

Die Geschichte beginnt zwei Mal. Einmal am Tag von Ninas Entlassung aus dem Krankenhaus und einmal an dem Tag, an dem sie das erste Mal ins Krankenhaus gegangen ist, weil sie etwas Beunruhigendes festgestellt hat. Die Vergangenheit und die Gegenwart wechseln sich kapitelweise ab, bis sie aufeinander treffen. Ich fand diese Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart sehr gelungen, vor allem den Moment an dem die Vergangenheit in die Gegenwart übergeht. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart wirkt alles absolut authentisch. Nina ist eine Protagonistin mit der viel Humor, den sie manchmal dazu nutzt, Situationen zu überspielen, die ihr unangenehm sind. Es kam mir vor, als würde ich Nina kennen, weil ich sie so gut verstanden habe.

Was kommt nach dem Krebs?

Wie viele Bücher habe ich schon gelesen, in denen ein Charakter an Krebs erkrankt ist und diese Erkrankung nicht überlebt hat? Was kommt nach dem Krebs? Was ist mit den Personen, die es schaffen den Krebs zu besiegen, ihn in Schach zu halten? Ninas Angst, dass der Krebs zurückkommen könnte blockiert sie vollkommen in ihrem Leben. Bloß keine Spuren hinterlassen. Am besten nirgendwo. Nicht materiell und vor allem in keinem Herz. Das wäre Verschwendung, wo sie doch sowieso bald stirbt. Trotz all dieser Gedanken hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, dass Nina in Selbstmitleid versinkt oder besonders wehleidig ist. Ich konnte es nach empfinden, wie sie sich fühlen muss, wie es sich anfühlen muss mit dieser beänstigstenden Wahrscheinlichkeit zu leben, dass der Krebs zurückkehren könnte.

Ein echtes Mutmachbuch.

Ohne die Tragweite der Erkankung zu schönigen, gelingt es der Autorin authentisch und einfühlsam einen Einblick in Ninas Leben und Gefühle zu bringen. Sie zeigt auf, dass das Leben es wert ist gelebt zu werden und zwar mit allem drum und dran. Manchmal braucht man vielleicht ein bisschen Zeit und viel Mut um zu erkennen, dass es so ist, aber wenn man nichts wagt, dann hat man schon verloren. Wenn man es nie probiert, dann kann man nicht wissen wie es ist – sich zu verlieben, in den Tag hineinzuleben und auch mal etwas Verrücktes zu tun.

 

Fazit

Leseempfehlung | Lottas Lieblinge

Ninas Geschichte war für mich etwas ganz Neues. Was passiert, wenn man die fiese Krankheit überlebt? Wie macht man dort weiter und die große Frage ist: Lohnt sich das überhaupt? Ja! Natürlich! Catharina Junk hat mit Nina, ihren Freunden und ihrer Familie für mich authentische Charaktere geschaffen, die Ecken und Kanten haben und nicht immer in das Leben der anderen passen. Die Geschichte kommt vollkommen ohne Kitsch oder Übertreibungen aus und konnte mich emotional unheimlich berühren. Dies ist kein weiteres Krebsbuch. Es ist ein lebensbejahendes, ehrliches und an vielen Stellen sehr emotionales und humorvolles Buch. Von mir gibt es daher eine ganz dringende Leseempfehlung!

Welches Buch würdet ihr zur Zeit gerne einfach jedem in die Hand drücken?

Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Goldblatt