Es sind die Tage von denen man es nicht erwartet, die das Leben auf den Kopf stellen.

Es ist doch so, es sind doch meistens nicht die Tage, an denen sowieso alles grauenvoll ist und wir denken, dass sicherlich gleich der Himmel einstürzt. Es sind diese Tage, die mit einem unscheinbaren Glück beginnen: erste Sonnenstrahlen am Morgen, der Geruch von frisch gekochtem Kaffee oder nur, dass man neben einem geliebten Menschen aufwacht. Alles scheint genau so zu sein, wie es sein muss.

Genau so war es bei Marie auch, als sie den Brief erhielt, der alles in ihrem Leben auf den Kopf stellen sollte. Diese Tage und Momenten in denen man sich immer wieder fragt: „Warum ich?“ Und vermutlich hat auch Marie das gedacht.

So leicht wie nach Hause kommen..

Ich habe angefangen das Buch zu lesen und war auf einmal mitten in der Geschichte. Meistens brauche ich ein wenig Zeit um mit den Charakteren und den Situationen warm zu werden, aber hier war ich plötzlich mitten drin. Vielleicht lag es auch ein wenig an der wunderschönen Gestaltung des Buches, denn an jedem Kapitelanfang befindet sich ein mit einem Anker verbundener Eiffelturm. Das war für mich auf Anhieb ein so schönes Symbol, weil ich Paris unglaublich schön finde und die See .. nun ich würde gerne von einer heimlichen Liebe sprechen, aber meine Liebe zur See ist so offensichtlich, dass es sich nicht lohnt es zu leugnen. Ein weiterer Punkt, der mir den Einstieg sehr leicht gemacht hat, ist, dass Marie den Leser als Ich-Erzählerin durch die Geschichte führt.

Sie war mir nicht besonders sympathisch.

Marie ist ein toller Charakter, der den Leser leicht durch die Geschichte führt, aber ich muss sagen, dass sie mir nicht besonders sympathisch war. Einige ihrer Entscheidungen konnte ich einfach nicht nachvollziehen. Sie ist mir ein bisschen zu quirlig, manchmal sogar ein wenig zu viel auf sich selbst bedacht. Was ich schade finde, weil sie jemanden hat, der sie liebt. Trotz der relativen Unsympathie wollte ich immer wissen wie es weitergeht und was wohl als nächstes passieren wird, denn irgendwas in Maries Welt lief ganz und gar nicht so wie es laufen sollte. Ich hatte fast ein wenig Mitleid mit ihr.

Was tun, wenns brennt? – Brennen lassen

Ich war früher einmal in einer Phase, in der ich alle Filme geschaut habe in denen Til Schweiger mitspielt, weil ich quasi unsterblich in ihn verliebt war. Es gab eine Szene in einem Film, an dessen Titel ich mich nicht mehr erinnere, wo genau der Ausspruch der Überschrift sehr gefeiert wird. Ich musste beim Lesen immer wieder dran denken. Was tut man, wenn es plötzlich brennt, wenn alles, woran man bisher geglaubt hat, zusammenbricht und das Leben nicht mehr ist was es war? Man kann es nicht rückgängig machen. Marie konnte nicht so tun, als hätte sie den Brief, der ihr von ihrem eigenen Leben in Paris erzählt, obwohl sie in Hamburg wohnt, nie gelesen. Er ist in ihr Leben getreten und nun hatte sie die Wahl entweder im Ungewissen zu bleiben und sich zu fragen, was dieser Mist soll oder der Ursache des Feuers auf den Grund zu gehen und den Funken zu finden, der das Feuer entfacht hat.

Und ich habe es noch am selben Tag beendet

Es gibt so Bücher, bei denen weiß man schon recht genau wie sie einmal enden werden oder was der Twist der Geschichte sein wird, aber bei diesem hier war es vollkommen anders. Ich hatte wirklich keine Ahnung, welche Auflösung sich die Autorin wohl ausgedacht haben mag und auch, wenn ich nicht vollkommen zufrieden damit bin, musste ich es einfach wissen, deswegen gelang es mir auch nicht dieses Buch aus der Hand zu legen. Ich habe schon recht lange kein Buch mehr einfach so an einem Tag durchgelesen und es war sehr schön, dass es mal wieder ein Buch gab, dass das geschafft hat. Die Lösung am Ende ist nicht schlecht, aber nicht unbedingt das was ich erwartet hatte. In gewisser Weise ist das Ende sogar ein offenes Ende, was diesem Buch, meiner Meinung nach, sehr gut steht. Ich kann durchaus nachvollziehen, wenn es einige Leser unbefriedigt zurück lassen würde, aber ich konnte mich gut damit anfreunden.

Leseempfehlung

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die kein festes, logisches und striktes Ende dieser Geschichte erwarten. Man muss sich auf darauf einlassen können und einfach treiben lassen. Ich fand es spannend Marie durch ihre vermeintlichen zwei Leben zu begleiten und zu erfahren was passiert, auch im Bezug auf ihre Umwelt. Ich konnte das Buch nicht weglegen, bis ich auch die letzte Seite verschlungen habe. Ich wurde gut unterhalten, die Charaktere waren großartig beschrieben und die Autorin hat einen sehr flüssigen und mitreißenden Schreibstil. Ich kann also wirklich nicht klagen über dieses Buch.

Was würdet ihr tun, wenn euch ein Brief erreicht, der euch von eurem Leben erzählt, dass jedoch in einer anderen Stadt mit einem anderen Partner und ganz anderen Gegebenheiten beschrieben wird?


Bibliografie & Inhalt

dtv | 224 Seiten | erschienen: 06/2017 | 978-3-423-26146-3
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Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Literat(o)ur