Nur drei Worte

Mal ganz nebenbei, findest du nicht auch, jeder sollte sich outen müssen? Wieso ist hetero die Normalität? Jeder sollte sich einfach in die eine oder andere Richtung erklären müssen, und es sollte für jeden so eine große, peinliche Sache sein, ob du nun hetero, schwul, bi oder sonst was bist. Ist jedenfalls meine Meinung.

Über das Buch
Carlsen | 320 Seiten | erschienen: 02/2016
Originaltitel: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda  
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Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.


 

Meine Meinung
Einstieg

Es fiel mir erstaunlicher Weise viel leichter in die Geschichte reinzukommen, als ich gedacht hatte. Der Leser begegnet Simon das erste Mal, als er gerade von einem anderen Mitschüler erpresst wird, weil dieser Simons Email gelesen hat. Keine schöne Situation, aber ein Einstieg der absolut neugierig macht.

Schreibstil

Simon ist ein siebzehnjähriger Junge, der erst vor kurzem entdeckt hat, dass er an seiner Schule anscheinend nicht als einziger homosexuell ist. Mir hat der Schreibstil gefallen, weil man ihm abnimmt, dass der 17 Jahre alt ist und gerade in einer Selbstfindungsphase steckt. Allerdings kamen die Gefühle für Blue bei mir nicht so ganz an.

Charaktere

In Simon, den Ich-Erzähler, konnte ich mich sehr schnell reindenken. Das fällt mir bei den Ich-Erzählern immer sehr leicht. Allerdings kann ich gar nicht sagen, ob ich Simon wirklich mochte. Manche seiner Handlungen und Gedanken konnte ich nicht nachvollziehen und wollte ihn schütteln, andererseits mochte ich, dass er so unkompliziert war, was seine Homosexualität angeht. Auch seine Freunde wie Abby und Nick waren authentisch beschrieben, sodass man ein klares Bild vor Augen hatte, wie die Personen agieren und was sie ausmacht. Am liebste habe ich mir jedoch vorgestellt wie Blue wohl ist und was ihn ausmacht.

Verlauf

Die Geschichte wurde auf zwei Arten erzählt. Zum einen erlebt der Leser Simons Alltag in der Schule, mit seinen Freunden, aber auch mit seiner Familie und zum anderen schreibt er Emails mit Blue, in denen er seine Gedanken verrät und wahren Gefühle zeigt. Mir hat dieser Wechsel gut gefallen, weil der Verlauf dadurch spannend blieb und man als Leser natürlich immer mit Simon mitgerätselt hat, wer Blue wohl sein könnnte. Es gab nur einen Aspekt, der mir nicht besonders logisch erschien, den ich aber nicht weiter ausführen kann. (siehe Spoiler)

Ende

Ein zauberhaftes Ende für diese Geschichte. Ich denke ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es ein Happy End gibt und ich finde die Umsetzung sehr gelungen, weil es nicht zu übertrieben ist und trotzdem große Emotionen hervorruft.

Fazit

Leseempfehlung

Obwohl es in unserer heutigen Gesellschaft endlich zur Normalität gehören sollte, dass es auch Männer gibt die Männer lieben und Frauen gibt die Frauen lieben, wird um Homosexualität immer noch herumgeschlichen wie um ein Wesen aus einer anderen Welt. Dieses Buch ist sehr locker geschrieben und zeigt auf, dass es leider immer noch nicht vollkommen normal ist und mit welchen Hürden man zu kämpfen hat, wenn man, wie in Simons Fall schwul ist. Die Umsetzung hat mir gut gefallen, auch wenn nicht immer alle Emotionen bei mir angekommen sind. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

Simon sagt im Buch, dass es viel leichter wäre, wenn sich einfach jeder in einem bestimmten Alter outen müsste
und sagen müsste, ob er lieber Männlein oder Weiblein mag.
Was haltet ihr von dieser Idee?

Eine weitere Meinung zum Buch findet ihr hier: Bookaloo