Hallöchen liebe Leser.Die heutige Autorin habe ich letztes Jahr kennengelernt und bin sehr froh darüber, dass Bastei Luebbe mich dazu gebracht hat. Durch den wunderbaren Bloggertag in Hamburg hatte ich die Möglichkeit die Autorin ein bisschen näher kennenzulernen. Aber nicht nur Petra war mir sofort sympathisch, auch ihre Bücher konnten mich bisher vollkommen überzeugen. Heute erscheint ihr neues Buch „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“ bei uns im Buchhandel und ich kann euch jetzt schon mal verraten, dass es sich lohnt!

 


Petra Hülsmann kommt zu Wort

Meine zehn Schreibphasen

Phase 1: Ideenfindung
Der letzte Roman ist fertig, glücklicherweise möchte der Verlag Nachschub, und die Lektorin fragt vorsichtig an, ob ich denn schon unter Umständen Zeit und Lust und Muße hatte, mal zu überlegen, worum es im nächsten Buch gehen könnte. Viele Autoren sagen ihrer Lektorin dann bestimmt: „Ja, logisch! Ich habe mindestens zehn Storys komplett fertig in meinem Kopf, welche darf’s denn sein?“ Bei mir läuft die Phase der Ideenfindung leider eher etwas zähflüssiger. Ich bin Buch-Monogamistin. Ich kann immer nur an einer Story arbeiten, denn wenn ich mich auf eine Geschichte einlasse, tue ich das komplett, mit Herz, Leib und Seele. Und es fällt mir sehr, sehr schwer, eine Story loszulassen, an der ich ein Jahr oder länger gearbeitet habe. Es dauert lange, bis ich mich auf etwas Neues einlassen kann.
Aber gut, jetzt, wo die Lektorin angefragt hat, könnte ich ja tatsächlich mal überlegen, worum es im nächsten Roman gehen soll. Dann geht das große Grübeln los. Was würde mich interessieren? Welche Figurenkonstellationen, welche Jobs, welche Charaktereigenschaften? Wer ist die Hauptfigur, wie ist sie am Anfang, wie soll sie am Ende sein? Welche Erfahrungen soll sie machen und was soll sie daraus lernen? Daraus entwickelt sich nach und nach die Story, und am Ende dieser Überlegungen habe ich ein fertiges Exposé, also eine Inhaltsangabe des Romans, sowie eine kurze Vorstellung der Hauptfiguren. Dieses Exposé bekommt meine Agentin und schließlich meine Lektorin. Wenn alles gut läuft, findet sie die Story super und es kann losgehen.

Aber mit dem eigentlichen Schreiben geht es für mich dann noch lange nicht los. Erst mal muss ich mich richtig eindenken in die Geschichte und die Figuren. Und da ich ja auch immer noch ein bisschen dem letzten Roman nachtrauere, kann das dauern. Irgendwann bin ich dann aber richtig drin. Aus meinem Exposé erarbeite ich eine detailliertere Handlungsübersicht, in der ich für jedes Kapitel eine Inhaltsangabe schreibe. Und vor allem lerne ich die Figuren kennen. Zu den Hauptfiguren erstelle ich komplette Lebensläufe, ich weiß genau, was sie wann erlebt haben, wie sie sind und warum sie sind, wie sie sind. Ich muss das alles so genau wissen, weil ich mich sonst irgendwann in der Story verlaufen würde, und weil ich an jedem Punkt der Story immer genau wissen muss, worauf ich hinarbeite.
Diese Phase der Ideenfindung ist für mich wahnsinnig spannend und aufregend. Ich erschaffe Figuren, lerne sie kennen, in meinem Kopf entstehen Bilder, Dialoge, Szenen. Es ist im Grunde genommen die wichtigste Phase überhaupt. Gleichzeitig ist es aber auch eine ziemlich frustrierende Phase, weil ich nichts Sichtbares produziere (die Notizen, die ich mir in dieser Zeit mache, nützen wirklich niemandem außer mir) und daher auch nicht sichtbar vorankomme.

 
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Phase 2: Ich bin so krass motiviert, Mann!
Das Grundgerüst für die Story steht, ich habe recherchiert, kenne die Figuren in- und auswendig, habe Szenen und Dialoge im Kopf, auf die ich mich wahnsinnig freue, und ich kann es kaum erwarten, in diese Welt abzutauchen. Ich setze mich an den Rechner, erstelle ein neues Dokument, richte die Seite ein, schreibe den Arbeitstitel auf die erste Seite, auf die zweite dann „Kapitel 1“, es kribbelt mich schon richtig in den Fingern, ich habe Herzklopfen, bin ganz aufgeregt, weil ich weiß, dass es jetzt losgeht. Diese Geschichte ist so genial, und ich darf sie endlich schreiben! Ich sehe dieses leere, weiße Dokument, das ich mit Wörtern füllen muss, und unweigerlich folgt … Phase 3.

 

Phase 3: Der Before-Book-Blues
oder „Das schaff ich niemals“ oder „Ich bin die unkreativste, erfolgloseste, untalentierteste, kurzum die schlechteste Autorin der Welt“ oder „Eigentlich will ich ja sowieso viel lieber Löwenbändigerin werden“
Für Nicht-Autorinnen und –Autoren ist es vielleicht schwer verständlich, aber ein leeres, weißes Word-Dokument, in dem nichts weiter steht als „Kapitel 1“, kann einem eine Heidenangst einjagen. Denn letztendlich schreit dieses „Kapitel 1“ mir folgendes entgegen: „Das hier ist erst Kapitel 1! Du hast noch gar nichts geschrieben! Von den 20 Kapiteln, die du geplant hast, fehlen dir noch ALLE! Also fang an! Fang AN! FANG AN! Und vergiss nicht, dass das, was du schreibst, großartig werden musst, das bist du der Geschichte und den Figuren und dem Verlag und vor allem deinen Leserinnen nämlich schuldig. Und nach Möglichkeit sollte das, was du jetzt schreibst, so großartig sein, dass es sich phänomenal verkauft.“
Und dann geht erst mal gar nichts mehr. Dann kommen die Selbstzweifel. Dann frage ich mich, wie in Gottes Namen ich es hingekriegt habe, ein oder zwei oder drei Bücher zu schreiben. Das kann ich doch gar nicht! Wieso sitze ich jetzt hier und bilde mir ein, ich könnte einen Roman schreiben? Schon wieder?! Tue ich mir das allen Ernstes schon wieder an?! Ich hab den letzten doch gerade erst abgeschlossen, eigentlich müsste ich jetzt erst mal für ein Jahr zur Ruhe kommen, irgendwo zu mir selbst finden, im Ashram in Indien oder so. Erfahrungen sammeln. Oder besser, einen Schreibkurs belegen. Denn schreiben kann ich definitiv nicht.
Das ist die Phase, in der mir Facebook zum Verhängnis wird. Denn dort tummeln sich plötzlich nur noch Autorinnen und Autoren, die ALLE kreativer, produktiver, erfolgreicher, beliebter und vor allem talentierter sind als ich. Meine Timeline quillt über vor Meldungen à la „Yay! 112. Woche Platz 5 auf der Spiegel-Bestsellerliste und Platz 1 im Amazon-Ranking!“ oder „Hurra! Das Manuskript ist fertig!“ oder „Heute um sechs Uhr aufgestanden, gejoggt, Müsli mit selbstgeschroteter Weizenkleie gefrühstückt, 20 Seiten geschrieben, äußerst, ääääußerst produktives Telefonat mit der Agentin geführt (Noch ist es geheim, ich sag nur: „Hollywood“!!!), auf dem Weg zum Supermarkt fünf neue Geschichten komplett durchgeplottet, ein sehr nahrhaftes, köstliches Mittagessen gekocht (Foto anbei), Yoga gemacht und nachmittags nochmal 15 Seiten geschrieben. Also same procedure as every day.“ Diese oder andere Posts, die letzten Endes ja nur bedeuten: „Ich bin die/der Größte, und ich will, dass die ganze Welt das weiß“ machen mich komplett fertig.
Dann frage ich mich, was ich denn eigentlich heute so produziert habe. Oder gestern. Oder in den letzten drei Wochen. Ich habe unheimlich viel und ausdauernd auf den Bildschirm gestarrt. „Kapitel 1“ geschrieben, kursiv und fett gemacht und zentriert. Eine Zeile geschrieben, für schlecht befunden, wieder gelöscht, wieder geschrieben, wieder für schlecht befunden, wieder gelöscht, aus lauter Frust Massen an Fast Food in mich reingestopft und mir auf Facebook durchgelesen, wie talentiert, erfolgreich, kreativ usw. alle anderen sind. ALLE, nur ich nicht.
Und überhaupt, Schreiben wird völlig überbewertet. Ich brauch das nicht. Es ist Quälerei für mich. Eigentlich möchte ich viel lieber mit Eisbärbabys kuscheln oder Löwen bändigen. Ich hab ja auch gar keine Zeit zum Schreiben, bei den ganzen Terminen, die ich so habe, außerdem muss ich ganz dringend die Tastatur mit einem Wattestäbchen reinigen, und jetzt plagt mich auch noch der Rücken und eine fette Erkältung, und die Geschichte ist sowieso schlecht. Will doch keiner lesen, so einen langweiligen Schwachsinn. Bei meinem Talent kann die Story noch so gut sein – wenn ich sie schreibe, wird sie grottig. Peinlich. Furchtbar.
Man kann sich jetzt vielleicht vorstellen, dass Phase 3 nicht gerade meine Lieblingsphase ist. Aber das Gute an dieser Phase ist: Sie geht vorüber. Und dann folgt die magische, unfassbar anstrengende, aber wunderschöne …

 

Phase 4: Schreibrausch und Realitätsverlust
Noch in Phase 3 kommen oftmals Nachrichten von Leserinnen, die mir – als würden sie ahnen, wie es mir gerade geht – schreiben, wie sehr sie sich auf mein nächstes Buch freuen und dass sie es kaum erwarten können, es zu lesen. Oder sie schreiben, dass sie meinen letzten Roman geliebt haben und dass die Figuren ihnen so viel bedeuten, dass sie gerne mit ihnen befreundet wären. Oder dass mein Buch sie für eine Weile aus ihrem stressigen Alltag holen und zum Lachen, Weinen oder Träumen bringen konnte. Oder dass sie sich ein bisschen in den männlichen Protagonisten verknallt haben. Und dann kommt irgendwann die Motivation zurück, die Figuren in meinem Kopf werden ungeduldig, weil sie wollen, dass ich endlich ihre Geschichte erzähle und der Abgabetermin rückt auch in bedrohliche Nähe, und all das führt dazu, dass ich anfange zu schreiben. Anfangs noch etwas zäh und holprig, aber mehr und mehr tauche ich ab in die Story und versinke total in dieser Welt. Wenn ich nicht an der Geschichte schreibe, denke ich daran. Ich rede auch andauernd darüber. Selbst wenn ich eigentlich gar nicht darüber reden will, merke ich, dass ich in einem Gespräch immer wieder auf Themen komme, um die es in meinem Roman geht. Diese Phase ist für meine armen Mitmenschen sehr anstrengend, und sie brauchen extrem viel Geduld und Verständnis. Es fällt mir nämlich oft schwer, anderen zuzuhören, wenn ich in meinem Kopf noch voll in der Szene bin, die ich gerade geschrieben habe. Es gibt dann auch eigentlich kaum etwas Wichtigeres als diese Geschichte für mich, ich sage Verabredungen ab oder vergesse sie sogar. Es kommt in Phase 4 durchaus vor, dass ich um neun Uhr abends immer noch im Schlafanzug bin, weil ich vergessen habe, mich anzuziehen oder weil es mir wie Zeitverschwendung vorgekommen wäre.
Diese Phase kann auch zum totalen Realitätsverlust führen. Mir ist das zum Beispiel bei meinem zweiten Roman passiert, „Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen“, in dem es um einen Fußballer geht, der auch in der Nationalmannschaft spielt. Da habe ich mich tatsächlich dabei erwischt, wie ich im Fernsehen bei einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft das Feld nach „meinem“ Spieler abgesucht und mich gewundert habe, dass er gar nicht spielt. Mein Mann macht sich heute noch deswegen über mich lustig. In Phase 4 schreibe ich, so viel es geht. Bis zu vierzehn Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche, über mehrere Wochen. Es ist wie ein Rausch, ich produziere extrem viel, aber es ist eben auch extrem anstrengend und auslaugend für mich. Daher bin ich irgendwann leer, und es geht zurück in Phase 3 – Schreibblockade – aus der ich dann wieder zurückfinden muss in Phase 4 und so geht es ein paarmal hin und her, bis ich unfassbarerweise die nächste Phase erreiche, und zwar …

 

Phase 5: Die Ich-hab’s-geschafft-Euphorie
Je näher ich dem Ende entgegenkomme, desto mehr und schneller schreibe ich und kann es kaum erwarten, fertig zu werden. Und wenn ich dann tatsächlich das letzte Wort geschrieben und den letzten Punkt gesetzt habe – das ist für mich das allerkrasseste Gefühl in dem ganzen Entstehungsprozess eines Buches. Ich bin dann vollkommen übermüdet, in meinem Kopf ist nur noch Watte, aber gleichzeitig bin ich unfassbar glücklich. Glücklich und stolz, dass ich es tatsächlich geschafft habe. (Hinzu kommt noch, dass ja meine Figuren am Ende des Romans oftmals sehr, sehr glücklich sind, und da ich während des Schreibens jede ihrer Emotionen mitfühle, bin ich es eben auch.) In dieser Phase denke ich mir: „Ich bin die Größte, und ich will, dass die ganze Welt das weiß.“ Dann poste ich auf Facebook: „Hurra! Das Manuskript ist fertig!“ und mache mir gar keine Gedanken um all die armen Autorinnen und Autoren, die jetzt möglicherweise gerade in Phase 3 stecken und diesen Post sehen und sich ganz schrecklich deswegen fühlen. In Phase 5 bin ich blind für sowas. Dann bin ich einfach nur völlig euphorisch, heule vor Glück, hüpfe durch die Wohnung und liebe es, Autorin zu sein.

 
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Phase 6: „Ich liebe dieses Buch“
Nachdem ich mich ein paar Tage lang gefreut und vor allem ein paar Tage lang den versäumten Schlaf der letzten Wochen nachgeholt habe, lese ich das soeben entstandene Manuskript zum ersten Mal. Es ist immer aufregend, weil ich mich noch gut an die Phase 3-Zeiten erinnere, in denen ich das Gefühl hatte, das hier wäre das schlechteste Buch, das in der gesamten Menschheitsgeschichte jemals fabriziert worden ist. Aber wenn ich es dann das erste Mal lese, stelle ich fest, dass es gar nicht so schlecht ist. Im Gegenteil. Ich liebe die Story, ich liebe die Figuren und bin der festen Überzeugung, dass das hier das beste Buch ist, das ich jemals geschrieben habe. Kurzum: Ich bin total verknallt und liebe dieses Buch!

 

Phase 7: „Ich hasse dieses Buch“
Leider bleibt es nicht dabei, dass ich das Manuskript nur einmal lese und mir denke „Hey, das ist mir aber gut gelungen.“ Während der Überarbeitungsphase, also noch bevor irgendjemand anders das Manuskript lesen darf, lese ich es mindestens viermal. Ich korrigiere, kürze, ändere, formuliere um, lösche, füge hinzu, stelle alles infrage, versuche, die Geschichte und die Figuren mit den Augen einer neutralen Leserin zu sehen, finde etliche Fehler, sowohl logische, als auch grammatikalische, von Rechtschreibfehlern ganz zu schweigen und so weiter und so fort. Wenn das Manuskript dann soweit überarbeitet ist, dass ich denke: „Okay, jetzt dürfen es auch andere lesen“, bin ich schon ziemlich verunsichert, ob es denn wirklich so gut ist, wie ich gedacht habe. Und wenn mir dann irgendwann meine Agentin und meine Lektorin versichern, dass sie es toll finden und ganz begeistert sind, kann ich das kaum noch glauben.
Dann folgt die Phase des Lektorats, in der das, was ich bereits vier- bis fünfmal getan habe, von vorne losgeht. Bis das Manuskript druckreif ist, habe ich es circa zwölf- bis fünfzehnmal gelesen und überarbeitet und finde es nur noch stinklangweilig. Es ist nicht mehr so, wie es am Anfang war, der Zauber des Schreibens und des ersten Lesens ist weg, ich kenne jeden Gag, an manchen Dialogen oder Formulierungen habe ich so oft herumgefeilt, dass ich alles nur noch platt finde – kurzum: Ich hasse dieses Buch!

 

Phase 8: Der After-Book-Blues oder „Abschied ist ein bisschen wie sterben“
Trotz dieses Gefühls fällt es mir wahnsinnig schwer, aus der Geschichte herauszufinden. Die Figuren und die Story haben mich circa ein Jahr lang begleitet, und ich kann sie einfach nicht loslassen. Ich vermisse sie, vermisse es, sie zu schreiben. Ich spinne die Geschichte in meinem Kopf sogar weiter, würde am liebsten eine Fortsetzung schreiben. An neue Figuren oder Geschichten mag ich gar nicht denken. Diese Phase ist wie Liebeskummer. Ich fühle mich leer und allein. Nie wieder wird es so schön sein, eine Geschichte zu schreiben wie diese, nie wieder werde ich die Figuren so heiß und innig lieben.
Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr Abstand nehme ich zu dem Buch. Nach und nach bildet sich dann eine neue Geschichte in meinem Kopf, ich lerne die neuen Figuren kennen und freue mich wahnsinnig darauf, in ihre Welt abzutauchen. Und obwohl es immer irgendwie ein bisschen traurig bleibt, dass ich mich aus einer Geschichte lösen musste, ist es doch gut, dass schon eine neue auf mich wartet.

 

Phase 9: Prä-Publikations-Panik
Früher oder später – meist ist es, wenn ich die Druckfahnen vorliegen habe – wird mir bewusst, dass das, was ich da geschrieben habe, tatsächlich von dem ein oder anderen gelesen werden wird. Auftritt Phase 9: Die Prä-Publikations-Panik. Am liebsten würde ich dann alles wieder zurücknehmen und schreien: „Nein! Niemand darf mein Buch lesen, es gehört mir ganz allein, es ist meeein Schatzzz!“ Es kommt mir dann unglaublich gemein vor, mein Buchbaby in die Welt hinauszuschicken, wo es schutzlos den Kommentaren der Leserinnen ausgeliefert ist, die es möglicherweise hassen werden, die darüber herziehen und sich lustig machen. Die das Buch unbedingt beurteilen müssen, und damit auch mich, denn in jedem meiner Bücher liegt ein Stück meiner Seele.
Hinzu kommt noch die Panik, dass das Buch ein totaler Flop wird. Dass es überhaupt niemanden gibt, der das Buch hassen könnte, weil niemand es kaufen wird. Dass ich, wie Orlando Bloom im Film „Elizabethtown“, zum Geschäftsführer vom Verlag zitiert werde, der mir sagt: „Was haben Sie sich bei diesem Buch eigentlich gedacht?!?!?! Nur weil Sie diesen unglaublichen Flop produziert haben, gibt es jetzt keinen kostenfreien Kaffee mehr für unsere Mitarbeiter, die Weihnachtsfeier wird gestrichen, die Firmenfußballmannschaft muss dichtmachen und wir haben Ken Follett an Random House verloren!“ Mir ist natürlich klar, dass das niemals passieren wird, aber in Phase 9 ist in meiner Fantasie einfach jedes Schreckensszenario möglich.
Zum Glück setzt sich bei mir immer wieder die gute alte Gelassenheit durch. Die Einstellung, dass nicht jeder mich oder meine Bücher liebhaben muss. Dass es völlig okay ist, wenn jemand das Buch scheiße findet. Dass ich es nicht in der Hand habe, wie gut das Buch sich verkauft. Und dann kommt auch schon sehr bald die nächste Phase, und zwar …

 
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Phase 10: Die Es-ist-da-Euphorie
Kurz vor dem offiziellen Erscheinungstermin horche ich schon immer nervös auf die Türklingel, traue mich kaum, die Wohnung zu verlassen, weil ich ihn auf keinen Fall verpassen will: Den DHL-Mann, der mir das große, schwere Paket mit meinen Belegexemplaren bringt. Irgendwann ist es dann soweit. Ungeduldig und mit zitternden Händen und Herzklopfen reiße ich das Paket auf, und dann halte ich es endlich das erste Mal in den Händen: Mein neues Baby. Es ist ein unbeschreiblich euphorisches und gleichzeitig komplett irreales Gefühl, mein Buch das erste Mal zu sehen, es anzufassen, dran zu riechen, die Seiten umzublättern und das Cover zu streicheln. Ich halte ein Buch in den Händen, das ich geschrieben habe! Die harte Arbeit, die Quälerei, die Tränen und Selbstzweifel, die mich diese Story und diese Figuren gekostet haben, werden auf einmal zweitrangig. Wichtig ist nur noch, dass ich es geschafft habe.
Und in diesem Moment weiß ich ganz genau, dass sich alle Phasen des Schreibens, egal wie irrsinnig, nervenzehrend und anstrengend sie auch gewesen sein mögen, komplett gelohnt haben. Und dass ich es wieder tun werde.

 

Autoren kommen zu Wort mit Petra Hülsmann

Copyright by Olivier Favre

Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien, reiste sechs Monate lang mit Mann und Rucksack durch Südostasien und schrieb ihren Debütroman ‚Hummeln im Herzen‘, der wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste stand. Auch ihr zweiter Roman ‚Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen‘ schaffte den Sprung in die Bestsellerlisten. Petra Hülsmann lebt in ihrer Lieblingsstadt Hamburg. Sie hat eine Vorliebe für Frozen Strawberry Margaritas und scharfes, vorzugsweise asiatisches, Essen.

 

Hummeln im Herzen Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen Glück ist wenn man trotzdem liebt

 


Vielen Dank, Petra, dass du uns an deinem Schaffensprozess hast teilhaben lassen!

 

Ein ganz bisschen erkenne ich mich auch darin wieder. Natürlich dauert es umweiten nicht so lange einen Blogpost zu erstellen, aber bei manchen Beiträgen und auch Rezensionen geht es mir in abgeschwächter Form genauso! 😀 Ich weiß nicht, ob ich dafür gemacht wäre ein Buch zu schreiben, wahrscheinlich eher nicht. ^^

Wie sieht es bei euch aus?
Schreibt ihr auch und erkennt euch in diesen Phasen wieder?